Sonntag, 26. Oktober 2014  ir  ir ir
Mit Hooligans gegen Salafisten? Mit Hooligans gegen Salafisten?
Nachdem die Politik in Nordrhein-Westfalen vier Jahre lang fast nichts gegen Salafisten getan hat, wollen am Sonntag in Köln mehrere tausend Fußball-Hooligans gegen die... Mit Hooligans gegen Salafisten?

Nachdem die Politik in Nordrhein-Westfalen vier Jahre lang fast nichts gegen Salafisten getan hat, wollen am Sonntag in Köln mehrere tausend Fußball-Hooligans gegen die radikalen Anhänger Allahs demonstrieren. Islam-Kritiker und Salafisten-Gegner distanzieren sich reihenweise davon. Der Initiator aber verteidigt die Kundgebung. Dass vor mehr als drei Jahren ein Fußball-Fan von etwa 15 Salafisten brutal zusammengeschlagen wurde, die Richterin jedoch den Fan verurteilt hat, ist inzwischen wieder vergessen.
Als sich radikal-islamische Salafisten um Sven Lau und Pierre Vogel im August 2010 im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken aggressiv breitgemacht und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatten, verhielt sich der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) völlig passiv; er räumte zwar ein, dass die Salafisten gefährlich seien, sagte aber zu den Vorgängen in Mönchengladbach kein Wort und mied die Stadt ängstlich. Die Gefahrenabwehr überließ er zwei Bürgerinitiativen, die sich ein ganzes Jahr lang unermüdlich engagierten und damit zumindest die Anführer der Salafisten wieder aus ihrer Stadt vertreiben konnten. Unterstützung aber bekamen die Bürgerinitiativen von ihm nicht, im Gegensatz zu anderen Politikern redete er nicht einmal mit deren Vertretern. Nach diesem in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellosen Vorgang entwickelte sich Nordrhein-Westfalen mehr und mehr zu einem „Salafisten-Paradies”, weil diese dort kaum Repressionen zu befürchten haben und ungehindert Jihadisten für die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) rekrutieren und Spenden für den syrischen Bürgerkrieg sammeln konnten.

Im Januar musste Ralf Jäger auf einer Diskussions-Veranstaltung in Mönchengladbach zugeben, dass es bis zu diesem Zeitpunkt bereits elf salafistische Anschlagsversuche gegeben habe. Trotzdem referierte er, wie blu-News berichtete, auf dieser Veranstaltung zwar ausführlich über die Angst der Menschen in Ostdeutschland vor Neo-Nazis, verlor aber über die Angst der Menschen in Nordrhein-Westfalen vor den Salafisten kein einziges Wort. Seine konsequenteste Maßnahme gegen die radikalen Anhänger des islamischen Propheten bestand bis heute darin, der Polizei eine Anordnung zu geben, der kurzzeitig in Wuppertal aktiven „Scharia-Polizei” deren Westen wieder wegzunehmen. Beeindruckt hat das die Scharia-Polizisten um Sven Lau herzlich wenig, stattdessen haben sie einfach in Düsseldorf unter neuem Namen weitergemacht. Jägers wenig ernsthafter Haltung jedoch tat das keinen Abbruch: Nur Tage nach den Vorgängen bezeichnete er die selbsternannten Scharia-Polizisten im Südwestrundfunk als „ein paar Verwirrte, die da in Wuppertal aufgetreten sind”. Der Rechtsstaat habe ausreichend Instrumente, um gegen „diese paar Verwirrten vorzugehen”, so Jäger weiter. Warum er von diesen Instrumenten keinerlei Gebrauch macht, erklärte er nicht.

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Sven Lau provozierte die Borussia-Fans bis zur Weißglut

Damit ist es nicht verwunderlich, dass jetzt andere Gruppen in die Lücke drängen, die der Staat hinterlassen hat. Als Pierre Vogel und Sven Lau am 8. Februar Mönchengladbach mit Hilfe einer großen Kundgebung „zurückerobern” wollten, provozierten sie die Menschen am Niederrhein damit, dass sie diese am Alten Markt, einem Wahrzeichen der Stadt, abhalten wollten. Gegen den Protest der CDU erfüllte die Verwaltung der damals noch von einem SPD-Oberbürgermeister regierten Stadt den beiden Salafisten diesen Wunsch.

Der bereits damals unter Terror-Verdacht stehende Sven Lau trieb es jedoch zu weit: Als er mitten auf dem Alten Markt Sprüche wie „Früher standen hier Günter Netzer und andere Borussia-Spieler, heute stehen wir hier” losließ, flogen plötzlich Flaschen in seine Richtung. Lau, der, wie blu-News berichtete, von der Mönchengladbacher Justiz nie etwas zu befürchten hatte, erbleichte sichtlich. Die Flaschen kamen von aufgebrachten Borussia-Fans, die daraufhin sofort von der Polizei abgedrängt und eingekesselt worden sind. Hunderte Mönchengladbacher konnten jedoch für einen kurzen Moment deutlich sehen, dass ein als gefährlich eingestufter Salafist, der sich bis dato in ihrer Stadt faktisch alles erlauben konnte, zum ersten Mal Angst gezeigt hatte.

Fußball-Fan von Salafisten brutal zusammengeschlagen

Aber der Wunsch nach Selbstjustiz dürfte bei einigen Mönchengladbacher Fußball-Fans bereits Jahre früher entstanden sein: Nachdem der radikale Muslim Arid Uka am 2. März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen und einen schwer verletzt hatte, wurde nur einen Tag später öffentlich, dass er virtuelle Kontakte zu den Mönchengladbacher Salafisten hatte, unter anderem zu Lau. Obwohl die Rheinische Post sich entschieden hatte, das ihren Lesern zu verschweigen, sprach es sich in Mönchengladbach sofort herum, womit die Salafisten in einer propagandistischen Defensive waren. Die „Rettung” für die radikalen Jünger Allahs kam aber vier Tage später in Form einer Gruppe von Borussia-Fans, die, stark alkoholisiert, mit lautstarken Sprüchen wie „Salafisten raus” und „Deutschland den Deutschen” am Karnevalssonntag an der Salafisten-Moschee vorbeizog. Nur wenig später schlugen rund 15 Salafisten auf einen am Boden liegenden und somit wehrlosen Borussia-Fan brutal ein, ein Salafist sogar mit einer Eisenstange. Sven Lau aber veröffentlichte noch am gleichen Tag im Internet ein Video, in dem er von einem „Mordanschlag durch Neo-Nazis” auf sich gesprochen hat. Damit war Ukas Anschlag wieder vergessen, die Zeitungen der Stadt folgten Laus Darstellung und gewährten den Salafisten damit eilfertig die Rolle der Opfer.

Auch der Prozess zu diesem Gewaltexzess verlief ganz nach deren Wünschen: Verurteilt wurden nur die „fremdenfeindlichen” Borussia-Fans. Der angeklagte Salafist hingegen, der von einem Zeugen als der Schläger mit der Eisenstange identifiziert wurde, konnte sich an einem Freispruch erfreuen, weil die Salafisten, so die Richterin, wegen ihrer Bärte und Glatzen doch „alle gleich aussehen” würden. Dass eine junge Zeugin auf die Bitte der Richterin, den Angeklagten zu identifizieren, plötzlich sagte, sie habe „Angst um ihr Kind” und dann weinend aus dem Gerichtssaal lief, wurde in der von den Zuschauern höhnisch beklatschten Urteilsbegründung ebenfalls „vergessen”. Lau, der als Zeuge geladen war, räumte in seiner Aussage zwar seine Beteiligung an der Gewalttat ein. Aber obwohl die Behörden wussten, dass Angehörige der Opfer in einer Verhandlungspause gesagt haben sollen, dass die Salafisten versprochen hätten, sie „in Ruhe zu lassen”, wenn sie „richtig aussagen würden”, wurde das gegen ihn gerichtete Strafverfahren im Rahmen eines sogenannten Täter-Opfer-Ausgleichs wieder eingestellt. Spätestens mit dieser Justiz-Farce hatten die Mönchengladbacher Behörden alles getan, um bei den Borussia-Fans Wünsche nach Selbstjustiz zu provozieren.

Wollen Linke die Hooligans zu Gewalt provozieren?

Was bei den Flaschenwürfen am 8. Februar in Mönchengladbach aber noch eine lokale Angelegenheit war, ist inzwischen zum bundesweiten Trend geworden: Bereits seit Monaten beobachten die Ermittler des Staatsschutzes, dass gewaltbereite Fußball-Fans mehr und mehr Front gegen die radikal-islamische Salafisten machen. „Diese Tendenz macht uns Sorgen. Besonders weil auch viele Rechtsextreme bei den Hooligans mitmachen”, so ein leitender Ermittler am Donnerstag gegenüber der Kölnischen Rundschau. Im Internet drohe die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten” mit Gewalt, sollte die Politik nicht stärker gegen die Islamisierung Deutschlands vorgehen, so der Ermittler. Bislang jedoch verliefen die Kundgebungen dieser Gruppierung friedlich. Bei der ersten Veranstaltung der „Hooligans gegen Salafisten” am 28. September in Dortmund waren allerdings mehrfach rechtsextreme Symbole bei Teilnehmern zu erblicken. Auch Anhänger der NPD wurden auf dieser Kundgebung gesehen.

Am Sonntag nun wollen die „Hooligans gegen Salafisten” vom Breslauer Platz aus durch die Kölner Innenstadt ziehen. Auf ihrer unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark” betriebenen Facebook-Seite waren bis zum Freitagmorgen bereits deutlich über 6.000 Zusagen eingegangen. Dort wurden in der letzten Woche auch die Regeln für die Kundgebungsteilnehmer veröffentlicht: „Kein Palaver. Keine Randale. Kein Pyro. Bitte nur schwarz-rot-goldene Deutschlandfahnen. Wir werden laut und martialisch, aber zu jeder Zeit friedlich sein.” Angemeldet wurde die Kundgebung von dem Mönchengladbacher Ratsmitglied und Pro NRW-Vize Dominik Roeseler. Das von linken Kräften dominierte Kölner Bündnis „Wir stellen uns quer” plant laut der Kölnischen Rundschau eine Gegendemonstration. Von Krawallen geht die Polizei aber zunächst nicht aus, zumal am Sonntag keine Salafisten erwartet werden. Allerdings glauben die Beamten, dass auch sogenannte Linksautonome anreisen und die Hooligans provozieren könnten.

Selbst Pro NRW distanziert sich

Aber selbst die als islamkritisch und damit vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei Pro NRW distanziert sich von den „Hooligans gegen Salafisten”. Bereits am 16. Oktober stellte deren Vorsitzender Markus Beisicht auf der Internet-Seite seiner Partei klar, dass es mit dieser Gruppierung keine Zusammenarbeit gebe und der Begriff Hooligans für ihn für Gewalt stehe: „Ich kann mich noch gut an die schrecklichen Vorfälle anlässlich der Fußball-WM 1998 in Frankreich erinnern. Dort hatten damals deutsche Hooligans einen französischen Polizeibeamten durch völlig unmotivierte Gewalt schwer verletzt, so dass dieser noch heute an den Folgen der Gewalttat leidet.”

Beisicht betonte, dass der gewaltbereite Salafismus die innere Sicherheit in Deutschland gefährde und „natürlich” dagegen demonstriert werden müsse, aber nicht mit einer solchen Gruppierung: „Wer sich unter dem Label Hooligan versammelt, kann für uns kein Partner sein. Hooligan steht für mich für Gewalt, für Schlägereien und Pöbeleien gegen Polizeibeamte. Wer also unter dem Label Hooligan gegen Salafisten demonstriert, schadet einer seriösen Islamkritik und betreibt das Geschäft unserer politischen Gegner, in wessen Auftrag auch immer.”

Deutschland Schlachtfeld der Extremisten?

Noch deutlicher distanzierte sich der hessische Landtagsabgeordnete und bundesweit bekannte Salafisten-Gegner Ismail Tipi: „Wenn sich rechtsradikale Hooligans gegen Salafisten verbünden, ist der innere Frieden Deutschlands in Gefahr. Ich halte es für eine gefährliche Entwicklung, wenn sich rechtsradikale Gruppierungen auf diese Weise verbrüdern und es zu möglichen Straßenschlachten mit Salafisten kommt”, erklärte der CDU-Politiker am Donnerstag in einer Presse-Mitteilung mit der Überschrift „Deutschland – Schlachtfeld der Extremisten?”.

Seiner Meinung nach könnte diese Entwicklung „eine neue Gewaltspirale auslösen”. Salafisten in Deutschland würden seit vielen Jahren Vorurteile und Ängste in der Bevölkerung gegen den Islam verbreiten. Es seien Hassprediger wie Pierre Vogel und Ibrahim Abou Nagie, die versuchen einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. „Seit Jahren können wir beobachten, wie diese Hassprediger unsere Jugend vergiften und in den Tod schicken. Wir haben die Pflicht, jegliche Art von Extremismus immer und überall demokratisch zu bekämpfen. Gerade wir Politiker haben die verdammte Aufgabe, Klartext zu reden”, so Ismail Tipi weiter. Dieser „Missbrauch des Islam” sei der willkommene Anlass für rechtsradikale Hooligans, Aggressionen, Vorurteile und Gewalt gegenüber Migranten zu schüren. Das führe sogar dazu, dass ehemals verfeindete Gruppierungen nun gemeinsam agieren. Tipi forderte abschließend: „Wir dürfen auf beiden Augen nicht blind sein. Wir dürfen gegenüber Extremisten jeglicher Art keine Toleranz zeigen. Daher brauchen wir neben einem Betätigungsverbot für Hassprediger auch ein Verbot der Lies!-Kampagne in ganz Deutschland. Unsere gesellschaftliche Aufgabe ist es, solche Konfrontationen zu verhindern.”

Roeseler verteidigt die „Hooligans gegen Salafisten”

Die mehrheitliche Sympathie der Salafisten-Gegner dürfte gegenwärtig dennoch dem Kundgebungs-Anmelder Dominik Roeseler gelten: Nachdem Pro NRW am Sonntag im Internet eine Presse-Mitteilung veröffentlicht hatte, aus der hervorgegangen ist, dass sich Roeseler aus allen Funktionen bei den „Hooligans gegen Salafisten” wieder zurückgezogen habe und am Sonntag in Köln auch nicht als Versammlungsleiter fungieren wird, hatte dies eine Flut negativer Kommentare zur Folge. Inzwischen ist diese Presse-Mitteilung nicht mehr im Netz zu finden. Von blu-News am Freitag auf die Auseinandersetzungen zur Kundgebung in Köln angesprochen, verteidigte Roeseler die von ihm initiierte Gruppierung: „Ich begrüße die Aktion ‘Hooligans gegen Salafisten’, weil sie ein überparteilicher Zusammenschluss von Fußball-Fans und anderen gesellschaftlichen Gruppen ist.”

Er räumte ein, dass der Begriff Hooligans martialisch und negativ besetzt sei. „Wenn es aber einen solchen Namen braucht, um ein deutliches Zeichen an die etablierte Politik zu senden, dann ist das so. Die bisherigen Kundgebungen verliefen alle friedlich und deswegen gehe ich davon aus, dass auch die Kundgebung am Sonntag gewaltfrei bleibt.” Auf die Nachfrage von blu-News, wie er es bewerte, dass an der ersten Veranstaltung der „Hooligans gegen Salafisten” auch der in Dortmund als „SS-Siggi” bekannte Siegfried Borchardt von der rechtsextremen Partei „Die Rechte” teilgenommen habe, antwortete Dominik Roeseler: „Ich lehne die Ideologie seiner Partei ab. Aber an der Kundgebung am Sonntag kann jeder teilnehmen, der sich an die vom Veranstalter gesetzten Regeln hält.” (PH)

Quelle

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