Mittwoch, 22. April 2015  ir  ir ir
Historische Feindseligkeit gegenüber Iran Historische Feindseligkeit gegenüber Iran
Irananders: Die chronischen Aggressionen Saudi-Arabiens und seine Paranoia vor Iran Saudi-Arabien Schwerttanz König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (Zweiter von links). Mit den... Historische Feindseligkeit gegenüber Iran
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König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (Zweiter von links).

Irananders:

Die chronischen Aggressionen Saudi-Arabiens und seine Paranoia vor Iran

Saudi-Arabien Schwerttanz
König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (Zweiter von links).
Mit den militärischen Angriffen auf den Jemen beging Saudi-Arabien die zweite Aggression gegen ein regionales Land in weniger als vier Jahren. Die erste richtete sich gegen Bahrain im Jahr 2011. Diesmal haben die Saudis – neben den Mitgliedern des Golf-Kooperationsrates (GCC) –auch Pakistan und Ägypten mit eingespannt. Möglicherweise verwickeln sie noch weitere arabische Staaten.

Saudi-Arabien riskiert damit, dass sich der Golf-Konflikt bis in den Mittleren Osten und sogar Südasien ausbreitet. Es hat seine Aggression gegenüber regionalen Staaten damit begründet, dass Iran und dessen regionale Vertreter seine Sicherheit bedrohen würden, indem sie schiitische Bevölkerungen im Nahen Osten dazu verleiten, sich gegen bestehende politische Ordnungen aufzulehnen. Die Saudis und einige andere Staaten der Region beschuldigen zudem auf übertriebener Weise Iran, ein persisch-schiitisches Imperium aufbauen zu wollen. Wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan – der sich selbst als einen neuzeitlichen Sultan Mehmet, den Eroberer, sieht – sich äußerte, wolle Iran den gesamten Nahen Osten dominieren.

Aggressionen Saudi-Arabiens gegen die Schiiten

Dennoch wissen die Saudis tief in ihren Herzen, dass Iran weder die Kapazitäten noch die Absicht hat, ein solches Imperium zu errichten. Was die Saudis tatsächlich ärgert, ist, dass sie von ihren jahrzehntelangen Fehlern in der Region und ihrer Unfähigkeit, sich ins 21. Jahrhundert zu bewegen und ihre Gesellschaft und Politik von einem Familienunternehmen in einen richtigen Staat umzuwandeln, eingeholt werden. Sie scheinen nicht zu realisieren, dass – ob mit oder ohne Iran – sich die Schiiten in Saudi-Arabien nicht auf Dauer mit dem Status einer zweitklassigen Staatsbürgerschaft zufrieden geben werden. Die bahrainschen Schiiten brauchen Iran ebenso wenig, um ihnen zu zeigen, dass ihre Lebensumstände an Unmenschlichkeit grenzen oder dass Saudi-Arabien Bahrain in eine virtuelle Kolonie und zu einem Zentrum für alkoholische Exzesse für seine Bürger, die dies zu Hause nicht tun können, umgewandelt hat. Ich habe miterlebt, wie Flugladungen voller Saudis nach Bahrain kommen, ohne das Land formell zu betreten, Stunden damit verbringen, in der Transit-Lounge sich zu betrinken. Genauso wenig müssen die irakischen Schiiten von Iran daran erinnert werden, dass schon bevor die Dynastie al-Saud die Kontrolle über die gesamte Arabische Halbinsel erlangte, sie und ihre Partisanen ihre Heiligtümer 1802 überfielen und ausraubten, dass das saudische Königshaus später das mörderische Regime von Saddam Hussein und seine Kriegsmaschinerie finanzierte und nun seit dem Sturz Saddams alles dafür tut, um das erstmalige Mitspracherecht der Schiiten zu beseitigen.

Geht man nach Südasien, so sind pakistanische und afghanische Schiiten ebenfalls nicht auf den Hinweis Irans angewiesen, dass saudische Ideologie und Gelder die Wurzel von Gruppen wie den Taliban und anderen sunnitischen Extremisten sind, die das Töten von Schiiten als Wochenendsport betrachten. Selbst viele sunnitische Pakistanis sind sich der destruktiven Auswirkungen des saudischen Einflusses auf ihre pakistanische Kultur und Gesellschaft bewusst und möchten nicht in deren aggressiven Plänen involviert werden. Allerdings sind Pakistans Militär und Eliten von saudischem Geld regelrecht süchtig geworden.

Im Jemen reicht die Aggression Saudi-Arabiens gegen das Land bis ins Jahr 1803 zurück. Später nach den Kriegen 1943 verleibte sich Saudi-Arabien Regionen im Jemen wie Asir und Jizan ein und schließlich Najran mit seiner substantiell schiitisch-ismailitischen Bevölkerung, die daraufhin miserabel behandelt wurde. Zu der Zeit war Iran nicht einmal in der Lage, seine eigenen Grenzen zu verteidigen, umso weniger Saudi-Arabien zu bedrohen oder gar an der Errichtung eines Imperiums zu denken. Wenn jemand dabei war, ein Imperium zu errichten, dann waren es die al-Sauds, die die Haschemiten verdrängten und ihr Gebiet im Jemen und der restlichen Halbinsel ausdehnten. Faktisch ist die Geschichte des saudischen Königshauses eine ununterbrochene Geschichte der Errichtung eines Imperiums.

Außerdem – falls Teheran Einfluss auf saudische Schiiten habe – so finanziert Saudi-Arabien Irans Dissidenten in Belutschistan. Des Weiteren unterstützt Riad die separatistischen Bewegungen unter der arabischen Minderheit in Iran und versucht zudem, den Wahhabismus unter der sunnitischen-iranischen Bevölkerung zu verbreiten.

Historische Feindseligkeit gegenüber Iran

Diese saudische Feindseligkeit gegen Iran ist nichts Neues und ist ebenso wenig das Ergebnis einer revolutionären Bedrohung durch Iran. Diese Feindseligkeit entspringt in erster Linie dem tief sitzenden Hass der Wahhabiten auf die Schiiten sowie der generellen arabischen Ablehnung Irans aus komplexhaften Gründen.

Heute geben die Saudis und andere arabische Regierungen vor, den Sturz des Schahs von 1978 zu bedauern und beschuldigen sogar Amerika, den Schah gehen gelassen zu haben. Doch es waren die Araber, die die Opponenten des Schahs finanzierten und sie in ihren Camps in Jordanien und Libanon ausbildeten. Im Jahr 1976 senkten die Saudis hinzukommend die globalen Ölpreise, was eine Rezession in Iran verursachte, die dann dazu beitrug, dass die Unzufriedenheit im Land verstärkt wurde – über die Islamisten und linken Oppositionellen hinaus – und damit wiederum zur Islamischen Revolution beitrug. Die Saudis hofften, dass wenn Iran von der Bildfläche verschwindet, sie die unangefochtene Führung und Amerikas neuer Günstling in der Region würden. Zuvor bekämpften die Saudis den iranischen Einfluss in Pakistan und Afghanistan und streuten die Saat für den kulturellen Wandel aus, der Pakistan von einem relativ fortschrittlichen muslimischen Land in eine fatale Brutstätte islamischen Obskurantismus und Radikalismus verwandelte. Wenn die Saudis Iran und den Schah für eine Weile tolerierten, dann nur weil sie noch mehr Angst vor den Kommunisten und den Nasseristen hatten.

Die Sorte Iran, die den Saudis, den arabischen Scheichtümern und manch anderen Arabern gefallen würde, wäre ein nicht-existenter Iran. Der Islamische Staat (ISIS oder IS) zum Beispiel stellt sich die Demontage und Eingliederung Irans in ein größeres islamisches Kalifat vor, das Khorasan heißen soll. Der einzige Haken an dem Plan ist, dass wenn sobald Iran sich auflöst, die Türken und Araber darüber streiten würden, wer das neue islamische Kalifat betreiben dürfe. Heute dürften Präsident Erdogan und König Salman dicke Freunde sein. Auf lange Sicht ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Erdogan, der von einer Auferstehung des Osmanischen Reichs träumt, die zweite Geige für die Saudis spielen wird.

Die Liste der saudischen Aktionen zum Schaden des Westens endet hier nicht. Heute weiß jeder von der Unterstützung sunnitischer Terroristen durch saudische Staatsbürger und die zerstörerischen Auswirkungen der wahhabitischen Ideologie selbst in weit abgelegenen Regionen wie Nigeria und Somalia. Und doch geben sich die USA und andere westliche Länder weiterhin Saudi-Arabien hin. Indem sie alles mit Blick auf das Öl und dessen Preise beurteilten und sie sich durch das „zu groß werden“ des Schahs irritieren ließen, verfolgten sie eine Politik, die dabei half, seinen Abtritt zu beschleunigen und läuteten den größten strategischen Rückschlag des Westens in der Region ein, was zur Hauptursache für dessen Probleme in den letzten Jahrzehnten wurde.

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Was der Westen versäumt hat

In der jüngeren Zeit ignorierte der Westen – teilweise auf saudischen Druck hin – Entwicklungen in Iran, wie die der Entstehung eines reformistischen Diskurses über den Islam und führten ihre Isolationspolitik fort. Durch seine Unterstützung der Nordallianz verhinderte Iran die komplette Übernahme Afghanistans durch die Taliban und half später wesentlich dabei, den Wechsel nach dem Sturz der Taliban zu erleichtern. Trotzdem benannten die USA Iran als Mitglied der „Achse des Bösen“, während die Saudis und Pakistanis weiterhin die Taliban unterstützten und damit die US-Bemühungen in Afghanistan untergruben.

Führende westliche Politiker hören weiterhin auf ihre saudischen Strippenzieher in Syrien, im Irak und sonst wo, ohne zu realisieren, dass sich die Saudis überhaupt nicht für Demokratie in Syrien oder an einem anderen Ort im Nahen Osten interessieren. Im Gegenteil, sie fürchten sich vor der Demokratie, wie ihre Politik in Ägypten eindrucksvoll zeigt. Das Ziel der Saudis ist es, die Dynastie an der Macht zu halten, komme was wolle. Prinz Nayef Bin Abdul Aziz sagte es kurz und bündig: „Wir haben unsere Macht durch das Schwert erlangt und werden sie durch das Schwert behalten“ – selbst wenn das Schwert von Pakistanis, Ägyptern, IS und anderen geschwungen wird.

Das Problem ist, dass sich die Welt verändert hat und das Schwert möglicherweise nicht mehr ausreicht,

um die Saudis zu beschützen. Die große Frage ist nun, ob der Westen und insbesondere die USA weiterhin den paranoiden Wahn al-Sauds gegenüber Iran abkaufen und Saudi-Arabien weiterhin als Freund und strategischen Wert sehen werden, oder ob der Westen Riad endlich als den Raubvogel erkennt, der es geworden ist. Keine noch so große Menge an billigem Öl kann letztlich das Geld und Blut kompensieren, das die USA investiert haben, um Saudi-Arabien vor der übergreifenden politischen Modernisierung in der Welt zu schützen.

Quelle: Irananders 

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